Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus. (Ex 20,2)
אָֽנֹכִ֖י֙ יְהוָ֣ה אֱלֹהֶ֑֔יךָ אֲשֶׁ֧ר הוֹצֵאתִ֛יךָ מֵאֶ֥רֶץ מִצְרַ֖יִם מִבֵּ֣֥ית עֲבָדִֽ֑ים׃
Ego sum Dominus Deus tuus, qui eduxi te de terra Aegypti, de domo servitutis.
Herausführen (יָצָא yāṣā֚), in der grundlegenden Qal-Konjugation bedeutet dieses Verb „herauskommen“, und „herausführen“ ist eine Form der Hifil-Konjugation, in der es auch „herausziehen, befehlen, herauskommen, aufstehen und loslassen“ bedeutet. Dieses Verb impliziert das Verlassen eines geschlossenen oder begrenzten Ortes. Dies ist das Verb für Exodus, also die Befreiung Israels aus der ägyptischen Sklaverei. Gott führt ein unterdrücktes Volk aus der Unterdrückung und befreit es. In der heutigen ersten Lesung (Ex 20,1-17) hören wir zehn Worte Gottes, den sogenannten Dekalog, den Israel durch Mose auf dem Berg Sinai empfing. Die Zehn Gebote beginnen nicht mit Geboten, sondern ihnen geht eine Einleitung voraus, die für das Verständnis des gesamten Dekalogs wichtig ist. Die wichtigste Tatsache ist, dass Gott sich vorstellt und seine Identität offenbart, bevor er seinem Volk die Gebote gibt, indem er sagt: „Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus.“ Gott, der Zehn Gebote gegeben hat, ist also derselbe Gott, der Israel bekämpfte und befreite. Diese grundlegende Erfahrung der Befreiung ermöglicht es uns auch, die tiefe Bedeutung der Gebote, die zur Freiheit führen und Ausdruck der Befreiung sind, besser zu verstehen. Gott ist nicht wie der Pharao, der die Nation gefangen hielt und die Macht des Unterdrückers über sie aufrechterhielt, sondern Er ist Gott, der befreit und den Weg zur Freiheit und wahren Anbetung zeigt.
Das Evangelium dieses Sonntags (Joh 2,13-25) zeigt den Herrn Jesus, der voller Empörung die Kaufleute aus dem Tempel in Jerusalem wirft und zu denen sagt, die Tauben verkauften: „Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle“. Die Markthalle ist ein Ort des Austauschs, des Handels und der Geschäftsabwicklung und es verunstaltet die Anbetung Gottes, die Gott von uns in Freiheit, Selbstlosigkeit und Liebe ausüben soll. Es sollte beachtet werden, dass der Herr Jesus auf die Frage der Juden, welche Autorität er dazu habe, auf ein Zeichen hinweist, das „die Aufrichtung des niedergereisst Tempels“ sein wird. Diese Worte sind eine tiefgreifende Definition seiner Auferstehung, die das letzte und wichtigste Zeichen sein wird, das im gesamten Johannes Evangelium erwähnt wird.
