Eine Stimme ruft: Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut in der Steppe eine ebene Straße für unseren Gott! (Jes 40,3)
קוֹל קוֹרֵא בַּמִּדְבָּר פַּנּוּ דֶּרֶךְ יְהוָה יַשְּׁרוּ בָּעֲרָבָה מְסִלָּה לֵאלֹהֵינוּ׃
Vox clamantis: „In deserto parate viam Domini, rectas facite in solitudine semitas Dei nostri”.
Im Hebräischen die Wüste מִדְבָּר [midbar] „Ort des Wortes“ bedeutet, da es vom Verb „sprechen“ דָבַר [dabar] kommt. Daher ist es kein „leerer“ Ort, sondern gefüllt mit dem Wort Gottes, seiner Rede. Im zweiten Teil des Verses (Jes 40,3b) erscheint ein ähnliches Wort, jedoch mit einer etwas anderen Bedeutung. Dies ist das Wort עֲרָבָה [araba], das einen Wüstenort (Wildnis) in geografischer oder geologischer Hinsicht (im negativen Sinne) beschreibt. Die Wüste מִדְבָּר [midbar] hat eine viel tiefere Bedeutung, im Alten Testament ist sie ein besonderer Ort der Begegnung zwischen Gott und Mensch. Dort offenbarte Gott Moses seinen Namen (Ich Bin, Der Ich Bin), speiste das auserwählte Volk mit Manna und führte es 40 Jahre lang. Es ist ein Ort, an dem unser Verlangen nach Gott, unsere Sehnsucht nach seiner Gegenwart zum Vorschein kommt (siehe Psalm 63,2).
Der Prophet Jesaja spricht heute von einer Stimme, die in der Wüste schreit … Dort ist die Stimme des Herrn zu hören, die uns ruft und einlädt, die Wege unseres Herzens für Ihn freizumachen und die ausgetretenen Pfade zu begradigen, auf denen wir alle täglich gehen in unseren Einöden, manchmal trocken und leblos… Er möchte zu unseren Herzen sprechen und in uns die Sehnsucht nach Seiner Gegenwart wecken… Vielleicht ist der Advent eine gute Zeit, um an den „Ort des Wortes“ zu gehen מִדְבָּר [midbar] und Seine Stimme zu hören?
